Freitag, 6. November 2009

Death of a Scriptwriter



Autorin: M. C. Beaton
Original: Death of a Scriptwriter (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

Rein zufällig lernt der Kleinstadtpolizist aus dem kleinen schottischen Städtchen Lochdubh die ehemalige Romanautorin Patricia Martin-Broyd kennen. Diese ist jenseits der siebzig und lebt einsam und allein in ihrem Cottage. Sie hält sich für eine wahre Lady und benimmt sich auch so.

Ihre Bücher haben sich schon in ihren Hoch-Zeiten weniger als mäßig verkauft, es waren langatmige, detailverliebte Krimis. Seit langer Zeit hat Patricia schon keine Zeile mehr geschrieben, sie lebt von einem ausreichenden Erbe. Doch dann passiert etwas Ungeahntes.

Ein Filmproduzent stößt auf ihr erstes Buch und möchte gern die Rechte daran. Er übertölpelt die ältliche Lady mit dem Versprechen, ihre Bücher würden neu aufgelegt werden, sobald die Serie erst einmal ins Fernsehen käme. Patricia ist überglücklich, sie kann an nichts anderes mehr denken und unterschreibt den Vertrag.

Bald darauf kommt das Filmteam in Macbeths und Patricias Gegend, um einen passenden Drehort zu finden. Sie entscheiden sich für den winzigen Ort Drim. Das Buch wurde von einem Drehbuchautoren fast ins Unkenntliche entstellt, etliche Nacktszenen wurden eingebaut und die Rolle der scharfsinnigen Detektivin erhält eine großbusige B-Schauspielerin.

Patricia will es sich nicht nehmen lassen, beim Dreh zuzusehen und ist natürlich mehr als entsetzt, was aus ihrem Buch wurde. Sie hatte gewiss keine Pot rauchende Kommune im Sinn, als sie ihren schottischen Hochlandkrimi schrieb. Doch nicht nur mit der Autorin verscherzt es sich der Drehbuchautor, sondern auch mit dem Mann der Schauspielerin, seiner Assistentin und den Dorfbewohnern von Drim.

Irgendwie wundert es keinen, als kurz nach den größeren Eklats der Drehbuchautor mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden wird. Hamish Macbeth wird hellhörig und mischt sich in die Ermittlungen ein, so gut es eben geht. Ihm ist klar, dass es unendlich viele Motive für den Mord geben musste, doch genausoviele Alibis findet er. Die Sache verkompliziert sich, als zwei weitere Menschen tot aufgefunden werden.

„Death of a Scriptwriter“ ist der zweite Krimi, den ich von M. C. Beaton gelesen habe. Bei „Death of a Snob“ hatte ich noch so meine Probleme mit den Passagen, die in schottischem Akzent verfasst sind, doch daran gewöhnt man sich sehr schnell, so dass bereits dieser Krimi wesentlich mehr Spaß macht.

Hamish ist ein sympathischer Polizist mit seinen Ecken und Kanten. In vielerlei Hinsicht ähnelt er mit seiner komplexen Persönlichkeit dem Schottischen Hochland, das in Beatons Krimis sehr plastisch beschrieben wird. Der Fall an sich mag vielleicht nicht besonders ausgeklügelt sein, dafür ist es das Drumherum. Beatons Krimis leben von ihren Charakteren und den Eigenheiten selbiger. Eine Serie, die ich mir wohl zur Gänze zulegen werde.
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Constable & Robinson Ltd. (30. Juli 2009)
ISBN-10: 1845299094
ISBN-13: 978-1845299095

Samstag, 31. Oktober 2009

Lipstick Jungle



Autorin: Candace Bushnell
Original: Lipstick Jungle (2005)
meine Bewertung: 4 von 5

New York: Schmelztigel von Kulturen, Hochburg der Eitelkeiten, aber auch Mekka der drei besten Freundinnen Nico Reilly, Victory Ford und Wendy Healy. So unterschiedlich die drei Frauen jenseits der 40 auch sind, eins haben doch gemeinsam: alle drei sind erfolgreiche Geschäftsfrauen mit einem Jahreseinkommen in Millionenhöhe. Doch gerade an der Spitze der High Society wird die Luft manchmal sehr dünn und Freundschaften besonders stark auf die Probe gestellt.

Nico ist verheiratet und hat eine Tochter. Während ihr Mann sich darin übt, ihr zu sagen, wie sie sich zu benehmen hat und welche Partys zu besuchen sind, ist sie die Herausgeberin des renommierten Hochglanzmagazines „Bonfire“. Es reicht ihr jedoch längst nicht, die Chefin nur einer Zeitschrift zu sein. Sie möchte an die Spitze der Verlagssparte des Medienkonzerns Splatch-Verner. Doch dieser Platz ist heiß umkämpft.

Ebenfalls bei Splatch-Verner tätig ist Wendy. Sie widmet sich ihrem Job als Filmproduzentin mit der größten Hingabe. Eine Menge Blockbuster und Auszeichnungen gingen bereits auf ihr Konto, fehlt nur noch der Oscar – und auch an dem wird fleißig gearbeitet. Ihr Mann ist für die Kindererziehung und –versorgung verantwortlich, was dieser wirklich mit Bravour meistert.

Victory Ford, der Freigeist unter den Busenfreundinnen, ist Modedesignerin. Sie hat sich gerade frisch verliebt, unpassenderweise in den exzentrischen Multimillionär Lyn Bennet. Ihre Marke trudelt ein wenig, fängt sich aber schnell wieder. Sie steht kurz davor, ihre Marke an ein namhaftes französisches Modehaus zu verkaufen und damit selbst zur mehrfachen Millionärin zu werden.

Betrachtet man das Leben der drei Business-Ladys so oberflächlich wie das ganze New York letztlich ist, scheint alles perfekt zu sein. In Wahrheit jedoch brodelt es im Privatleben der Freundinnen massiv. Wendy wird von ihrem Mann verlassen, der sich praktischerweise auch noch am gemeinsamen Konto, in das sowieso nur sie eingezahlt hatte, bedient. Die Kinder nimmt sie ihm weg, doch diese wollen nicht wirklich bei ihrer Mutter bleiben, schließlich ist sie wie eine Fremde.

Nico schläft schon mehrere Jahre nicht mehr mit ihrem Mann. Er hat einfach keine Lust darauf, etwas zu tun, was er nicht wirklich will. Also wird einfach darauf verzichtet. Dann lernt Nico allerdings das unglaublich fantastische und vor allem sehr junge Männermodel Kirby Atwood kennen. Schnell entwickelt sich eine knisternde Romanze, die ihr fast ihren Job und Kopf kostet.

Victory hingegen betrinkt sich in Frankreich anlässlich der Filmfestspiele so sehr, dass sie fast ohne Gedächtnis an den vorigen Abend aufwacht, aber sie das dumpfe Gefühl plagt, etwas sehr Schlimmes getan zu haben. Als sie Lyn, mit dem sie gerade eine Beziehungspause hat, im Hotelrestaurant trifft und dieser eine gebrochene Nase hat, dämmert es ihr langsam…

„Lipstick Jungle“ stammt aus der Feder von Candace Bushnell, die schon mit „Sex and the City“ einen Welterfolg landete – vor allem im Fernsehen (das Buch war von vernachlässigbarer Qualität). Momentan sorgt auch die Serie zu „Lipstick Jungle“ für angenehme Mittwochabend-Stunden, das Buch jedoch weicht in vielerlei Hinsicht von der Serie ab. Was nicht wirklich schlimm ist.

Der Vorteil ist: sowohl das Buch als auch die Folgen der Serie haben zwar dieselben Protagonistinnen und dieselbe Idee, allerdings wurde das Buch für die Serie einfach tauglicher gemacht, das Buch ist genauso unterhaltsam. Die Unterschiede sorgen außerdem für Spannung bei denen, die das Buch schon gelesen haben. Es ist humorvoll, verfügt über Romanze, Intrige, Spannung und ist ereignisreich. Langeweile kommt nicht auf, im Gegenteil.

Man brennt darauf, zu erfahren, wie es nun weiter geht, wie sich die Mädels aus der Affäre ziehen oder selbst Intrigen schmieden. Außerdem macht es sowieso Spaß, von Frauen zu lesen, die durch ihre eigene Leistung in die High Society aufgestiegen sind und sich dort behaupten können. Zwar werden Männer doch sehr häufig als „der Feind“ abgestempelt, was im Endeffekt ja auch stark pauschalisierend ist, allerdings zeigt es auch, dass sich die Geschlechter nunmal ergänzen und das Leben seine Würze durch die Mischung erhält.

Was mich an „Sex and the City“ so sehr gestört hat und elementar in vielen anderen Frauenbüchern zu sein scheint, hat hier gefehlt: Dieser unerträgliche Schuhfetischismus, Markenwahn, Sexhunger und Gossip – und das war gut so. Ach, und auch der obligatorische schwule beste Freund, der sich fantastisch mit Mode auskennt – auch der wurde diesmal weggelassen. Nichts gegen Schuhe, Sex oder schwule Freunde, im Gegenteil. Aber sehr viel gegen 0815 Klischees.

„Lipstick Jungle“ ist zwar ein klassisches Frauenbuch, aber wenigstens kein plattes und dummes Machwerk, sondern wohltuende Lektüre für verregnete Herbsttage. Sich die Serie anzusehen ist auch kein Fehler.
Broschiert: 544 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (April 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548266967
ISBN-13: 978-3548266961

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wo ist der Millionen-Storch?



Autor: Thomas Brezina
Original: Wo ist der Millionen-Storch? (1991)
meine Bewertung: 2 von 5

Die Knickerbockerbande ist am Neusiedlersee. Poppis Onkel Witzmann hat die Kinder eingeladen, ein paar Tage bei ihm auf dem Hausboot zu verbringen. Doch schon als die Kinder in Eisenstadt am Bahnhof ankommen und nicht abgeholt werden, merken sie, dass da etwas nicht ganz in Ordnung sein kann. Passenderweise beginnt es auch noch in Strömen zu regnen.

Völlig durchnässt kommen die Kinder beim Hausboot an. Doch auch da ist von Onkel Justus, einem schrägen Erfinder, weit und breit keine Spur. Dafür hören sie ein seltsames Klopfen. Es ist die Haushälterin, die von einem Unbekannten in den Wandschrank gesperrt wurde. Von Onkel Justus fehlt weiterhin jede Spur.

Schon bald haben die Kinder den Verdacht, dass der Onkel entführt wurde. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie immer wieder auf einen geheimnisvollen „Millionen-Storch“. Aber was soll das sein? Und wer ist hinter diesem Millionen-Storch her? Denn der Urlaubsaufenthalt der Knickerbockerbande entwickelt sich immer mehr zu einem Detektivabenteuer, genau so wie auch alle anderen Ausflüge der Bande. Eins jedoch ist hier neu: Lilo verliebt sich!

„Wo ist der Millionen-Storch“ ist eins der früheren Abenteuer der Knickerbockerbande und von daher noch ein wenig glaubwürdiger als die späteren Geschichten, relativ spannend und mit einer logischen Auflösung am Schluss. Für Erstleser sicher eine gute Idee.
Gebundene Ausgabe: 139 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag (1990)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473470082
ISBN-13: 978-3473470082

Dienstag, 27. Oktober 2009

Angst und Schrecken in Las Vegas



Autor: Hunter S. Thompson
Original: Fear and Loathing in Las Vegas (1971)
meine Bewertung: 4 von 5

Sportjournalist Raoul Duke und sein Anwalt, Dr. Gonzo, machen sich auf den Weg nach Las Vegas. Duke aka Thompson, hat den Auftrag, über das legendäre Autorennen durch die Wüste zu berichten. Eine staubige Angelegenheit und auch weit weniger spektakulär als anfangs angenommen, also muss Flüssigkeit her. Und diese natürlich nach Möglichkeit alkoholisch. Da man sich ja auch nicht nur flüssig ernähren sollte, packen die beiden auch noch Unmengen von Drogen ein. Genau genommen packen sie einfach alle Drogen ein, die es gibt.

Auf einer Art Dauertrip überstehen die beiden das Wüstenrennen mehr oder weniger gut, doch schon bald darauf müssen sich die beiden in die Höhle des Löwen begeben, als sie nämlich von der Drogenkonferenz der Polizei in Las Vegas erfahren. Sie schmuggeln sich unter hunderte Polizisten und schaffen es dennoch, irgendwie heil aus der Sache herauszukommen, ganz im Gegensatz zu ihrem Hotelzimmer und dem Auto (liebevoll „roter Hai“ getauft).

Es ist die Beschreibung eines einzigen Dauertrips, unterbrochen von ein wenig Arbeit, die aber nur eine marginale Rolle spielt, eines unbegreiflichen Lebensstils, einer wahnwitzigen Reise durch den amerikanischen Traum. Dennoch sollte man das Buch nicht unterschätzen. Es hat Tiefe und zeigt einen Protagonisten, der ständig auf der Flucht vor sich selbst ist und dabei ist, sich zeitweise selbst zu verlieren.

Zwar habe ich den Film noch nie gesehen, das muss ich aber unbedingt nachholen. Es ist ein faszinierendes Buch, das mindestens genauso witzig wie Wahn ist und ein Tempo vorlegt, dem man mit Spannung folgt. Einfach eine Empfehlung! Gonzo at his best.
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: N.-A. (1. April 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453401379
ISBN-13: 978-3453401372

Der Fluch des schwarzen Ritters



Autor: Thomas Brezina
Original: Der Fluch des schwarzen Ritters (1995)
meine Bewertung: 2 von 5

Die Knickerbocker Bande wurde von der über 160 Kilo schweren Zirkusartistin Tante Fee in den Zirkus ein, der gerade in der Nähe von St. Pölten in Niederösterreich zu Gast ist. Die Kinder sind fasziniert von den Trapezkünstlern, die scheinbar mühelos durch die Luft segeln, den gefährlichen Tieren und den lustigen Clowns.

Bei einer Abendvorstellung jedoch geschieht das Unfassbare: Während die Trapezkünstler ihre atemberaubende Nummer zum Besten geben, fliegt ein schwarzer Ninja-Stern durch das Zelt, das Trapez wird durchgeschnitten, die Trapezkünstler stürzen ab, ein kleines Mädchen wird verletzt. Zum Glück konnte das Sicherheitsnetzt das Schlimmste verhindern. Die Knickerbocker Bande sieht, wie ein Mensch in schwarzem Ritterkostüm davon eilt.

Natürlich ist die Neugierde der Knickerbocker Bande geweckt. Sie wollen herausfinden, wer der schwarze Ritter ist und was er mit seinen Manipulationsversuchen bezwecken möchte. Denn diese häufen sich immer mehr. Tiere kommen fast zu Schaden und die Mitarbeiter des Zirkus sind bereits verängstigt, man verdächtigt sich gegenseitig.

Die vier Kinder der Knickerbockerbande machen sich auf Spurensuche und haben schon bald einen Verdächtigen ausgemacht. Jetzt muss dieser nur noch dingfest gemacht werden. Natürlich können sie dabei auf die tatkräftige Tante Fee bauen.

Solides Abenteuer der Knickerbockerbande, über das sich die Leserzielgruppe der ca. achtjährigen Erstkrimi-Leser sicher begeistern kann.
Gebundene Ausgabe: 139 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: N.-A. (1992)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473470104
ISBN-13: 978-3473470105

Montag, 26. Oktober 2009

Das Lied der Honigvögel



Autorin: Anne McCullagh Rennie
Original: Song of the Bellbirds (2000)
meine Bewertung: 3 von 5

Die junge Lizzy Foster lebt gemeinsam mit ihrem Vater und zwei Angestellten auf einer Farm im australischen Outback. Sie hat eine wunderschöne Stimme und liebte es, gemeinsam mit ihrer Mutter zu singen. Doch als diese sich mit einem Musicalstar auf und davon macht und nie wieder nach Hause zurück kehrt, verbietet der hart arbeitende Farmer seiner Tochter das Singen.

Lizzy ist sehr musikalisch und beginnt an ihrer Schule, die Musikschülerinnen von Schwester Angelica mit dem Klavier zu begleiten. Sie probt mit ihnen für die große Aufführung am Ende des Jahres. Sanft drängen sie die Schwestern der Schule immer wieder, selbst wieder mit dem Singen zu beginnen und auch ihre Großmutter mütterlicherseits, die in Toowoomba lebt, würde ihre Enkelin gerne wieder singen hören.

Das Schicksal arrangiert es schließlich so, dass Lizzy doch wieder singt – und alle Zuhörer in ihren Bann schlägt. Sie blüht während des Singens richtig auf und würde ihre Freude gerne mit ihrem Vater teilen. Doch dann zieht ein Gewitter auf Kinmalley, der Farm der Fosters zusammen. Es stürmt, blitzt und donnert und Dan läuft aus dem Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Am Rückweg erleidet dieser einen Herzinfarkt und stirbt in den Armen seiner Tochter. Bereits zum zweiten Mal in ihrem Leben beschließt die junge Lizzy Foster, nie wieder in ihrem Leben den Mund zum Singen aufzumachen.

Neben der Trauer um ihren Vater muss sie auch noch damit klar kommen, dass sie von nun an bei ihrer Großmutter in deren kleiner Wohnung in Toowoomba leben wird, vor und nach der Schule arbeiten muss und sowohl die Farm als auch ihre geliebten Hunde und Pferde verkauft werden.

Die Zeit vergeht, Lizzy wird älter und immer wieder kehrt ihr Leben schicksalhaft an einen Punkt zurück, an dem sie einfach wieder zum Gesang zurück kehren muss. Denn egal, wie sehr sie das Singen an die verlorenen Lieben erinnert, so bringt es Lizzy auch immer wieder Gutes in ihr Leben. Im Laufe der Zeit entwickelt sich Lizzys Karriere immer weiter, sie erhält ein Stipendium in Wien und mausert sich schließlich zur gefragtesten Opernsängerin der Welt. Ihr Leben gleicht einer Achterbahn, doch am Ende geht es immer weiter bergauf als bergab…

„Das Lied der Honigvögel“ ist eine sehr, sehr schmalzige Romanze, die Heldin ist sympathisch und ihr Leben geschüttelt von Schicksalsschlägen, die sie mit einer erstaunlichen Leichtigkeit verkraftet, vor allem, da Kismet immer wieder auch mehr als positive Trümpfe für Lizzy bereit hält.

Was irgendwie seltsam ist: Es ist im Buch die Rede von einer großen Dürreperiode, die Farmer rundherum leiden und es gibt nicht genug Wasser. Dennoch nimmt Lizzy schon im nächsten Absatz ein Vollbad, außerdem liest man auf Seite 268: „Es war Ende April und die Rosen verbreiteten eine herbstliche Pracht“ – aha!

Das Fazit des Buches: Für einen bestimmten Leserinnentyp wahrscheinlich die optimale Lektüre: bittersüße Romanze mit Happy End. Normalerweise lese ich persönlich sowas nur dann, wenn es mit absolut genialem Humor gepaart ist, beispielsweise bei Susan Elizabeth Phillips oder Sophie Kinsella. Ich mag keine schmalzigen Bücher, aber dieses hat es peinlicherweise vermocht, mich stellenweise zu Tränen zu rühren.

Wahrscheinlich muss einiges zusammenpassen, damit man das Buch mögen kann, ansonsten kriegt man davon wohl so eine Art Zuckerschock. Aber wenn man Diabetiker ist und einem nach einem Zuckerschub ist: Gute Wahl!
Taschenbuch: 366 Seiten
Verlag: Weltbild,,, (1. Januar 2005)
ISBN-10: 3898975827
ISBN-13: 978-3898975827

Der kleine Held












Autor: Walter von Molo
Original: Der kleine Held (1950)
meine Bewertung: 4 von 5

Es ist Sommer. Der junge Walter wandert mit seiner Mutter, seinem Vater und seinem Bruder einen Forstweg entlang, angeführt von einem einheimischen Bauern. Die Familie aus Wien macht in dem kleinen Dorf am Land, Nonnenkirchen, Urlaub – oder besser: Sommerfrische, wie man es damals wohl nannte. Wir schreiben das Jahr 1850, der kleine Walter hat ein Lungenleiden und ist deshalb das Sorgenkind der Familie. Aber es ist schön, die Menschen sind nett und der Familie stehen drei unbeschwerte Monate bevor. Der Vater jedoch kommt nur jedes Wochenende, er muss zurück in die Stadt um zu arbeiten.

Die Familie ist wohlhabend, man hat eine Wohnung in Wien, eine Mietkutsche und eine Zugehfrau. Während der Sommerfrische bessert sich Walters Gesundheit zusehends, er verliebt sich sogar in die Bauerstochter. Umso schwerer fällt den Colas der Abschied von Nonnenkirchen, als es wieder Herbst wird.

Die Schule beginnt von neuem, es ist unsicher, ob Walter sitzen bleiben wird oder es doch noch schafft. Umso überraschter ist man, als Walter schließlich sogar zum Studium an der Universität zugelassen wird. Seine Gesundheit ist schon bald kein Thema mehr und Walter, der bisher immer im Schatten seines gelehrten Bruders, dem Schriftsteller, macht sich doch recht gut.

Während Walters Leben besser wird, bleibt die Familie nicht von Schicksalsschlägen verschont. Der Bruder wird leicht verrückt, die Verwandten sterben, man zieht in eine andere Wohnung und auch die politische Situation des einst so glanzvollen Wiens erweist sich als etwas prekärer als angenommen.

Das Buch lag mehr als 10 Jahre auf meinem Stapel ungelesener Bücher und nun frage ich mich, warum ich es dazu kommen ließ. Vielleicht war es auch gut so, um die Stimmung und die politischen Hintergründe des Buches richtig verstehen zu können, doch der Humor und die Sichtweise des Erzählers erwiesen sich als sehr ansprechend. Es ist eine Art Entwicklungsroman, der Leser begleitet den Erzähler vom kleinen Helden bis zum erwachsenen Beamten, der sein Glück in der Liebe sucht, bekommt latent mit, wie sich die Gegebenheiten in Wien verändern und welcher Geist diese Zeit durchweht – etwa, wenn sich die Familie fasziniert vor dem Lichtschalter versammelt und nicht glauben kann, wo das Licht auf Knopfdruck herkommt.

Molos autobiografischer Roman ist eine echte Empfehlung. Zwar wird man sich schwer tun, das Buch zu bekommen, aber falls man es auf einem Flohmarkt irgendwo liegen sieht, sollte man es unbedingt mitnehmen.

Antiquariat,
330 Seiten